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Orgelrenovierung

Die Orgel wurde 1907 durch Werkstatt „Förster und Nikolaus“ aus Lich neu erbaut. Dabei wurde das Gehäuse der Vorgänger-Orgel übernommen und im hinteren Bereich erweitert. Die Vorgänger-Orgel stammt gemäß dem Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Hessen von Georg Dehio Ausgabe von 1982 S. 570 von Joh. Wilhelm Schaum aus Langgöns von 1691.

Die Orgel besitzt 2 Manuale und Pedal mit pneumatischen Kegelladen. 1907 wurden 10 Register realisiert, seit 1961 sind 11 Register vorhanden, indem das Prospektregister spielbar gemacht wurde.

Zuletzt wurde das Instrument 1992 letztmalig gereinigt. Mit kürzeren Unterbrechungen wird das Instrument seit 1907 durch die Erbauerwerkstatt jährlich einmal nachgesehen und gestimmt.

Anläßlich einer genauen Inspektion, ergab sich folgender Befund:
Das Leder der Membranen, die pneumatisch die Luftzufuhr zu den Pfeifen regeln, ist sehr porös, mehrere Tonausfälle und schleppende Tonansprachen sind die Folge hiervon.

Das Leder des Doppelfalten-Magazinbalges und der Schöpfbälge (Luftzufuhr) scheint weitgehend in Ordnung, eine Lederfalte ist auf einer Länge von ca. 12cm undicht, an einer Stelle drückt eine Balgfalte an das Leder.

Einige Bleirohre ziehen sich aus den Relaisstationen, wodurch der Spielimpuls nicht mehr übertragen werden kann.

Das Pfeifenwerk ist bis auf wenige Ausnahmen gut in Ordnung. Die Gebläsemaschine steht in einem Schutzkasten neben der Orgel. Der Schutzkasten besitzt keine Ansaugöffnung, die Schalldämmung ist nur lose hineingelegt, sie besteht aus einem offenen Baumwollmaterial. Die Intonation der einzelnen Register ist leicht unausgeglichen.

Nach der Kirchenrenovierung wurde das Pfeifenwerk ausgebaut und auf der Seitenempore gelagert.

Das gesamte Orgelinnere wurde sorgfältig mit Industriesaugern und feucht von Staub und Schmutz gereinigt.
Die Klaviaturen ( Manual und Pedal ) wurden ausgebaut und zur Überarbeitung in die Werkstatt gebracht.

Dort wurden die Tasten der Manualklaviaturen aus dem Rahmen genommen und gereinigt. Das seitliche Spiel der Tasten ist durch Neugarnieren beseitigt worden, die Druckpolster oben und unten sind erneuert.

Die Tasten der Pedalklaviatur wurden aus dem Rahmen genommen. Abgetretene Beläge sind auf ihr ursprüngliches Maß mit Hartholz aufgefüttert, anschließend wurden alle Tasten angeschliffen. Unter die vorderen Tastenenden wurden Schenkelfedern eingebaut, welche die Tasten in ihre Ausgangslage zurückbringen und am oberen Anschlag halten. Die vorhandenen hinteren Blattfedern wurden entsprechend schwächer eingestellt und dienen nur noch als Scharnier.

Dadurch erreicht man eine Entlastung der hinteren Befestigungsschrauben, wodurch sich diese nicht so leicht lockern und klappern können. Der notwendige Tastendruck ist durch die neuen vorderen Schenkelfedern eingestellt. Die unteren und oberen Druckpolster, sowie die seitlichen Garnierungen sind überprüft und wo nötig erneuert.

Das Pfeifenwerk ist nach der Reinigung überprüft, beschädigte Stimmvorrichtungen und Mündungen, sowie verdellte Körper und Füße wurden, gerichtet.

Von den Holzpfeifen wurden die Vorschläge abgenommen und die Kernkammern gereinigt. Hüte und Spunde der gedeckten Register werden abgenommen, deren Unterlegungen werden überprüft, wo nötig ergänzt.

Von den Windladen sind die Stöcke abgetragen und die Registerkanzellen geöffnet worden. Diese wurden auf Beschädigungen hin untersucht, kleinere Störungen an Kegeln, deren Leit- und Führungsstiften sowie kleinere Risse wurden durch zuledern oder absperren mit Holzdübeln behoben.

Die Ledermembranen stammen noch aus der Erbauungszeit der Orgel von 1907, sind inzwischen 110 Jahre alt und seit Jahren am Ende ihrer Haltbarkeit angekommen. Da sie für den Betrieb der Orgel unverzichtbar sind, mussten sie dringend erneuert werden. Insgesamt handelte es sich um rund 900 Stück!

Dazu wurden die Membranenleisten ausgebaut, deren Ledermembranen, sowie die in den Vorrelais eingebauten Ledermembranen werden entfernt und die Leisten gereinigt.

Die Leimflächen sind begradigt und von den Resten der Pappringe befreit worden. Anschließend wurden neue Ledermembranen aufgeleimt.

Alle Bleirohre und deren Halterungen sind überprüft, wo nötig ergänzt. Lose Bleirohre in den Relais sind neu mit Warmleim eingeleimt.

Die Windanlage wurde überprüft und wo notwendig abgedichtet. Ein neuer Schutzkasten ist gefertigt und mit einer Schalldämmung aus Weichfaserdämmplatte versehen worden. Der neue Schutzkasten hat eine Ansaugöffnung mit einem schalldämmenden Labyrinth.

Das Orgelgehäuse erhielt am hinteren Abschluss einen schrägstehenden Deckel. Dadurch soll zukünftig verhindert werden, dass von der Deckeneinfassung am Treppenaufgang zum Dachboden Putz und anderes in die Orgel fällt.

Nachdem alle Teile wieder in die Orgel eingebaut wurden und einwandfrei funktionieren, sind die Pfeifen Registerweise wieder in die Orgel gestellt und intoniert worden.

Abschließend wurde die Orgel rein gestimmt.

Diese Arbeiten dauerten 5 Wochen für zwei Mitarbeiter der Werkstatt „Förster und Nikolaus“.

Rechtzeitig zum Weihnachtsfest 2022 konnte die Orgel wieder in neuem, vollen Klang erklingen!